Armamentarium: “Was wäre eigentlich gewesen, wenn … ?”

Hallo zusammen,

nun ist also der neueste Patch 6.2.3 auch auf den Live-Servern zu finden, und dies wird so mit der einzige Content sein, den wir bis ca. 4-6 Wochen vor World of Warcraft: Legion erleben werden. Diese Vorstellung macht mich ein wenig traurig und ein Stück wütend zugleich, aber nun gut, dies ist Thema für einen anderen Text in den nächsten Tagen. Vielmehr möchte ich ein Gedankenspiel anbringen und etwas meine aktuelle Situation beschreiben.

Die Zeit von Armamentarium war sehr gemischt, und doch merke ich immer wieder, wie sehr verbunden ich mich damit immer noch fühle. Ich fühle mich zwar sehr wohl in meiner neuen Gilde, aber, wenn ich ganz ehrlich bin, verbringe ich meine meiste Online-Zeit in World of Warcraft immer noch auf dem Server Blackhand und eben nicht Forscherliga. Es wirkt fast so, als würde ich unbedingt an dem Altbewehrten festhalten wollen. Dieses Altbewehrte ist dabei die Gilde “Armamentarium” (Horde).

Es sind nun gut über fünf Monate her, und doch sind die bestimmten Erinnerungen, sowohl die positiven als auch die negativen, immer noch gut zu spüren. Erst am gestrigen Tag habe ich dies auf twitter geschrieben:

Man sieht also, dass ich selbst jetzt noch die Zeit immer mehr vermisse. Allerdings, wenn ich ganz ehrlich bin, vermisse ich besonders die Zeit zu Beginn von Warlords of Draenor. Ich werde nun genauer darauf eingehen, wieso das so ist und was der Unterschied zum Ende hin war.

Eigentlich sollte es am Anfang ja gar nichts geben, also gar nichts in Bezug auf das später Entstandene zu sehen. Zu Beginn gab es eigentlich nur wenige Leute innerhalb der von mir ein paar Wochen zuvor erstellten Gilde und ein paar andere Personen auf meiner Friend List. Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich mich damit abgefunden, dass ein Aufleben des alten Projekts “Armamentarium” nicht umsetzbar werden würde. Nicht zuletzt deshalb war die so rasche Entwicklung später im Nachhinein immer noch eine sehr große Überraschung.

Auf einmal standen wir mit ungefähr sieben Leuten in der Gilde und begaben uns ins TS. Es war alles sehr ungeordnet, so ganz ohne Struktur, aber dies habe ich nicht als Nachteil gesehen. Im Gegenteil, im Nachhinein würde ich eine solche Atmosphäre vielleicht eher haben wollen. Aber nun gut, wir waren somit auf einmal dann doch dabei, uns um die kurzfristige oder zumindest mittelfristige Zukunft eines potentiellen Raids Gedanken zu machen.

Wie dies immer so ist, so dauerte es eben keine Ewigkeit bis auch frühere Gestalten, zu denen ich persönlich gar keinen Kontakt mehr hatte, dann wieder gefragt wurden und auf einmal startete also diese bereits über einen längeren Zeitraum bekannte Maschine. Auf einmal ging alles ganz schnell, ein kleines Konzept war vorhanden, die Gildensatzung hatte ich zu einem Großteil bereits in den Wochen zuvor aufgesetzt. Von daher brauchte es jetzt eher das aktuelle Geschehen als die Konstruktion des Gebildes in der Theorie.

Wie ich bereits oben in meinem gestrigen Tweet geschrieben habe, war diese Zeit extrem anstrengend und teilweise auch ermüdend. Und trotzdem habe ich es damals gerne gemacht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich in nicht einmal zwei Wochen um die 12 bis 13 neuen Leute dazubekommen habe. Bei fast jedem Fall war immer auch ein gewisses TS-Gespräch verbunden und auch die üblichen Vor- und Nachgespräche im Whisper.

Damals hat es mir teilweise keine Lust gemacht, einfach weil es schon teilweise wie eine “Sisyphos”-Arbeit erschien. Man versucht Kontakt aufzunehmen, die Person antwortet jedoch nicht direkt, man schreibt den entsprechenden Spieler wieder an, und auf einmal gibt es eine Antwort.

Darauf aufbauend versucht man erneut nachzufragen, meist sehr generell gehalten, und es dauert teilweise eine gefühlte Ewigkeit bis Aussagen wie “(…) oh sry,, habe es mir anders überlegt, trotzdem danke und hf” kommen. In einigen Fällen habe ich mit Menschen geschrieben, die entweder eine Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege haben, nichts gegen Stubenfliegen in diesem Sinne, oder es einfach verstehen, wie nervig man mit wenigen Worten, die jedoch mehrere Minute benötigen, nur sein kann.

Man merkt auch jetzt noch, fast ein Jahr danach, dass ich diese Zeit immer noch sehr gut vor Augen habe, und dass es immer noch alles ziemlich aktuell erscheint. Es wäre einfach falsch davon zu sprechen, dass zu Beginn von Warlords of Draenor alles so viel besser war, nein das war es eben nicht. Und doch gibt es einen sehr großen Unterschied zu den späteren Monaten, vor allem den letzten Wochen.

Zu Beginn hatte ich immer das Gefühl, dass meine “Arbeit” und all die damit verbundenen Maßnahmen einen gewissen Mehrwert mit sich bringen könnten. Ich wusste, dass ein paar Leute, wenn auch nur wenige, in dem Moment darauf vertrauen oder sogar vielleicht hoffen würden, dass dieses Projekt ins Rollen geraten könnte. Aus diesem Grund habe ich zu Beginn, wenn auch sehr genervt an einigen Stellen, immer wieder weitergemacht, einfach weil ein klares Zeichen von den beteiligten Spielern selbst kam. Dies war leider am Ende eben nicht mehr gegeben.

Es war also, vor allem zu Beginn, eine wirklich schöne Zeit. Spielerisch wäre immer mehr gegangen, aber schon damals hatte ich weder an mich noch den Raid an sich, die Erwartungshaltung, komplett durch den Content zu rushen. Natürlich hätte es, gerade beim Endboss von Highmaul, etwas schneller geben können, vielleicht sogar müssen, aber für mich standen und stehen auch heute noch der eigentliche Spaß und die Atmosphäre extrem im Vordergrund.

Irgendwann gab es jedoch das Ende einer für mich in diesem Moment empfundenen Ära. Diese Ära habe ich jedoch auch heute noch nicht vergessen und vermisse sie teilweise extrem. Ich ertappe mich immer noch dabei, dass ich mir immer mal wieder unseren vielleicht wichtigsten Erfolg überhaupt anschaue, nämlich den First Kill von Blackhand HC in der Blackrock Foundry.

Diese gewollte Distanz hat es zwar gegeben, aber sie bröckelt im Moment einfach immer mehr, und deshalb habe ich mich gestern einfach einmal gefragt, was eigentlich gewesen wäre, wenn es anders gekommen wäre.

In einem Whisper mit einem früheren Gildenmitglied antwortete diese Person mir “(…) es war doch an sich alles ok, wieso musste es so kommen ?”. Ehrlicherweise war ich in diesem Moment sehr überrascht und auch verdutzt. Denn eigentlich stimmt diese Ansicht nur teilweise, auch wenn man noch so nett über die Zeit nachdenken möchte. Es war, gerade zum Ende hin, einfach nicht mehr so wie zu Beginn, und hier nehme ich mich auch überhaupt nicht aus.

Zu Beginn hatte ich wie oben beschrieben dieses Gefühl, dass es einen gewissen Mehrwert bringen könnte. Zum Ende hin hatte ich eher das Gefühl, dass all die “Arbeit” im Großen und Ganzen keinem echten Ziel dienen würde. Ich empfand den Aufwand, den es brauchte, einfach nicht mehr als sinnvoll genug, und dies hat man gerade in den letzten Tagen auch an meiner Art gemerkt.

Wer mich schon längere Zeit kennt, weiß, dass ich an sich nie wirklich aus der Haut fahre oder lauter werde. Allerdings ist dies zum Ende hin der Fall gewesen, allerdings immer nur in einem von mir empfundenen internen Führungsrahmen. Leider war dies jedoch nicht so ganz der Fall, und so wurden auch wirkliche Interna sogar weitergegeben. Bis heute empfinde ich diesen Schritt, völlig egal auf welcher Basis dieser beruhen mag, als eine absolute Unverschämtheit und ein klarer Vertrauensmissbrauch, den ich in keiner Weise, selbst nach all diesen Monaten, vergessen habe.

Nichtsdestotrotz kam es eben so, dass ich irgendwann, auch von mir selbst aus gesehen, den Raid am Scheideweg verstand, und deshalb ein Scheitern immer wahrscheinlicher empfand. Natürlich will man dies am Anfang nicht sagen oder irgendwie zum Ausdruck bringen, aber dies Fassade, dass alles an sich noch gut sein könnte, auch in näherer Zukunft, wurde immer rissiger. Nicht zuletzt deshalb wurde der Raid von mir dann auch offiziell auf Eis gelegt, allerdings konnte und wollte ich nicht die Gilde schließen.

Bis heute finde ich mich in dieser wieder und schaue immer mal wieder aus purer Nostalgie nach, wann wir welche Spieler aufgenommen haben. Ich weiß heute, sogar von meinem ach so “netten” Kollegen, nicht einmal mehr den echten Namen. Von daher wird der Abstand zu bestimmten Persönlichkeiten immer größer oder ist es bereits geworden. Allerdings gilt dies weder für einige andere Personen noch für die Gilde an sich.

Wenn man sich dieser Rückschau nun vergewissert hat, so bleiben für mich zwei Fragen weiterhin im Raum:

(1) War es das alles im Nachhinein, retrospektiv gesehen, wert ?

(2) Was wäre eigentlich gewesen, wenn es eine Zukunft gegeben hätte ?

Zu (1):

Es ist wirklich sehr schwierig, hierauf eine Antwort zu finden. Aus meiner persönlichen Sichtweise her, würde ich sagen, dass der damalige Schritt, nach den Lieblingsworten unserer Kanzlerin, “alternativlos” erschien, zumindest als das Ende so gut wie beschlossen war. Ich wollte nicht mehr auf dem Server bleiben, und doch hatte ich keinen einzigen Plan B. Ich war auf die gesamten letzten Tage überhaupt nicht vorbereitet, vielleicht wollte ich dies auch absichtlich nicht. Vielleicht war es auch ein wenig Verdrängung, schwierig zu sagen.

Als ich dann jedoch für Patch 6.2 ein neues Zuhause gefunden hatte, waren gerade die ersten Tage extrem schwierig. Ich fühlte mich einfach nicht wohl und ich hatte immer mehr das Gefühl, dass ich auf keinen Fall den Kontakt auf Blackhand vernachlässigen sollte. Wenn man nämlich etwas in einem MMORPG wie “World of Warcraft” gelernt hat, so ist es die Schnelllebigkeit des Ganzen. Aus diesem Grund fing ich an, einen ganz neuen Charakter zu leveln, um immer auch die Klasse auf maximaler Stufe zu besitzen, die mir am meisten Spaß bereiten könnte.

Dieser Schritt war in der Rückschau ebenfalls der absolut richtige. Dadurch ist es mir nämlich just in diesem Moment möglich, abseits meines Hauptcharakters, ein autarkes Leben auf Blackhand zu führen, und nur durch ein paar weniger Item-Level vom Status Quo auf Forscherliga getrennt zu sein.

Für mich selbst ist jedoch auch anzumerken, dass ich mich immer noch so verbunden mit dem Server fühle und, auch wenn eigentlich der Kontakt bis auf wenige Ausnahmen so gut wie nicht mehr vorhanden ist, dieses Zuhause auch weiterhin pflegen möchte, vielleicht auch ganz explizit auf Legion bezogen. Gerade auf Legion ausgelegt, fange ich ja langsam an, ein mögliches neues Spielkonzept zu entwickeln, wie für mich der Endgame-Content abseits von Mythic allgemein aussehen und wie man dies umsetzen könnte.

Aus Sicht der anderen früheren Mitspieler, weiß ich es nicht. Ich kann ja nicht das beurteilen, was ich selbst nicht genau weiß, dies wäre also auch viel zu vermessen, aus meiner Sicht. Und doch, ich glaube, dass der Großteil, der entweder nicht mehr raidet, nur noch HC raidet, wie es bei mir aktuell ja nicht anders ist, oder im Moment gar nicht mehr spielt, vielleicht nicht alles, aber einen Teil bestimmt vermissen wird, und den ein oder anderen Gedanken daran verschwenden könnte.

Zu (2):

Ja diese Frage, die auch zugleich den Titel dieses Beitrags hier ausdrückt, ist eigentlich umso schwieriger als die erste.

Es ist immer relativ leicht, im Nachhinein zu sagen, dass eine Zukunft hätte klappen können. Ich weiß es nicht, ich glaube ganz ehrlich, auch wenn ich es anders sehen möchte, dass eine Zukunft des Raids während der Erstürmung der Hellfire Citadel auf HC sehr schwer geworden wäre. Ich war damals davon überzeugt, dass der Raid an sich einfach nicht mehr möchte, warum auch immer, und dies habe ich den Spielern auch nie wirklich zum Vorwurf gemacht, da ich es oft wirklich auch nachvollziehen konnte.

Ich glaube weiterhin, dass die meiste Demotivation in diesem Addon nicht nur für mich persönlich, sondern auch für die anderen Beteiligten aus dem Nachteil des mythischen Modus erwachsen ist, oder zumindest Teile davon. Bis heute halte ich an meinem Sinnbild des “Damoklesschwerts” fest. Und nicht zuletzt deshalb sehe ich dies in Bezug auf den kommenden Content in Legion auch etwas ganz anders.

Abschließend merke ich weiterhin, wie tief verbunden ich den alten Leuten immer noch bin, selbst Leuten, die seit Ewigkeiten nicht mehr spielen. Dieses Gefühl, ich weiß nicht, ob dies bei den Anderen ebenfalls so vorkommt, ist auf jeden Fall nicht zuletzt der Aspekt, wieso ich so viel mehr sowohl mit Blackhand als auch “Armamentarium”, auch noch über fünf Monate später, damit verbinde.

Aus diesem Grund unterstreiche ich die Tatsache:

Die Tore der Gilde Armamentarium stehen allen früheren Mitgliedern immer noch auf und werden dies auch in Zukunft (bis auf zwei Ausnahmen) !

MfG Tobi
calsportal.eu

Quelle (Bild ; frei zugänglich): pixabay

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