Serientipp: “Narcos” (Netflix Original) (English summary soon)

Hallo zusammen,

die folgende Serie ist so ganz anders als all das, was ich sonst so von Neflix kenne. Vielleicht liegt das eigentlich Besondere an der Tatsache, dass, wenn auch mit einigen Abänderungen, vieles davon auf wahren Begebenheiten fußt.

Es ist eben dann doch ein Unterschied, ob Köpfe in “Game of Thrones”, einem ausgedachten Fantasy-Epos, rollen oder eben in Kolumbien der 80er und 90er-Jahre.

Generell beziehen sich Staffel 1 und 2 auf einen der gefährlichsten Männer der Welt, nämlich Pablo Escobar Gaviria, in der Serie meist einfach nur “Pablo” oder eben “Patrón” genannt. Auf dessen Festnahme, später sogar seinen Tod, ist nicht nur die kolumbianische Regierung aus, sondern eben auch das Weiße Haus. Dieser Mann ist Sinnbild einer anderen Welt, abseits von staatlichen Restriktionen oder sogar einer Form von Rechtsstaatlichkeit und dem Gesetz an sich.

Was sich vielleicht auf den ersten Blick eher langweilig anhört, ist es jedoch nicht einmal im Ansatz. Diese Serie hat eine solche Power und Dynamik, dass man teilweise gar nicht mehr mitkommen kann. Gerade noch im Gedanken bei der Person, die eben ihren Kopf verloren hat, und dies auch stellenweise so gezeigt wird, dazu später mehr, passiert dann auch schon der nächste Anschlag, bei dem ein Dutzend an Menschen ihr Leben verlieren. Es gibt so gut wie keine Tabus, ob nun Sex-Szenen oder eben Gewalt-Szenen.

“Narcos” an sich ist Ausdruck für Drogendealer in Lateinamerika. Oft wird der Begriff von den Protagonisten auch verwendet um zwischen den “Guten” und den “Bösen” unterscheiden zu können. Nur, und dies ist definitiv ein großer Pluspunkt, ist diese Unterteilung, gerade in der zweiten Staffel, immer weniger der Fall. Ein, ähnlich wie der “War on Terror” unter George W. Bush nach 09/11, Krieg gegen die Narcos ist letztlich immer ein Nullsummenspiel, bei dem es eben nur Verlierer geben kann.

Wie sehr hier auch US-Beamte immer mehr der kolumbianischen alltäglichen Hölle immer ein Stück näher kommen, geht oft auch absolut unter die Haut. Diese Serie kennt so gut wie keinen Abstand, man ist oft auch als Zuschauer Teil des Geschehens, was einige Szenen immer schwieriger macht. Zu sehen zu müssen wie eine Mutter einfach einmal eine Kugel in den Kopf bekommt und ihr Baby nichts versteht als der Täter blutüberströmt vor dem Bett steht, kann und darf einfach keinen kalt lassen.

Auch wenn man immer das Gefühl hat, dass einige Elemente aus dramaturgischen Gründen hinzugekommen sind, so bleibt der Eindruck einer komplett aus den Fugen geratenen Umgebung, wie in diesem Falle Medellín in Kolumbien, weiterhin bestehen. Dies ist auch der Grund weshalb es wahrlich nicht einfach ist, einige Szenen wirklich sehen zu müssen. Wie oben bereits beschrieben ist es eben kein Jon Snow, der sein Gegenüber mal kurz einen Kopf kürzer macht, sondern eben ein Narco, welcher oft einem Widersacher das Licht ausknipst.

Gerade in der zweiten Staffel gibt es zwei Szenen, an denen ich mich fast übergeben hätte. Ob eine solche Brutalität, bei der ich wirklich öfters hinschauen musste, in dieser Szene mit absolutem Ausdruck von Sadismus verbunden, wirklich sein muss, bleibt hier jedoch eher fraglich. Nur, und dies muss man hier eben auch anbringen, kommt es den echten Abläufen dieser Zeit wohl ein ganzes Stück näher, was umso trauriger ist.

Auf die Schauspieler bezogen muss man klar festhalten, dass der Schauspieler von “Pablo Escobar” einfach herausragend spielt. Es muss so schwierig sein, einen Menschen zu spielen, der im ersten Augenblick sich wie der liebste Vater der Welt um seine Kinder kümmert, und nur ein paar Sekunden  später den Befehl gibt, anderen Menschen für immer das Leben auf grausame Art und Weise zu nehmen. Wie dieser eher dicke Mensch, so zumindest wird er in der Serie dargestellt, einen solchen inneren Zwiespalt in sich führt, und dies herausragend dargestellt, ist einfach eine unglaublich starke Leistung.

So traurig es auch klingen mag, in einigen Momenten kann einem als Zuschauer “Pablo” wirklich nur Leid tun. Allerdings hasst man ihn kurz danach schon wieder. Ein Zwiespalt, der also nicht nur den Charakter selbst, sondern auch den Zuschauer immer mehr ausmacht. Wenn eine Serie dies erreichen kann, ist dies wiederum ein Zeichen für höchste Kunst.

Letztlich kann ich diese Serie nur jedem empfehlen. Man lernt nicht nur vieles über die “Narcos”, sondern eben auch über all die involvierten Akteure wie u.a. die US-Regierung und einige sehr fragwürdige Entscheidungen. Darüber hinaus ist die Serie auch eine sehr gute Möglichkeit, sich mit der spanischen Sprache auseinanderzusetzen. Alles, wirklich alles, bis auf die retrospektiven Kommentare des Agenten, findet hier in Spanisch, mit deutschen Untertiteln, statt, alle jeglichen Schimpfwörter mit eingeschlossen.

Nun aber viel Spaß mit dem Trailer. Gebt dieser Serie eine Chance, Ihr werdet es nicht bereuen.

Eines sei jedoch noch angemerkt, es ist keine leichte Kost !

MfG Tobi

calsportal.eu

Quelle (Bild; frei zugänglich): Pixabay

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